Das PAN Branchentreffen 2017 und seine Folgen


Besser spät als nie kommt nun auch endlich mein Beitrag zum PAN-Branchentreffen 2017. Eigentlich wollte ich für Euch wieder ein Video aufnehmen, aber die Technik wollte nicht, daher gibt es endlich mal wieder einen Blog-Beitrag ^^
Vom 20.-22. April 2017 fand das 2. PAN Branchentreffen statt. Aber bevor wir in das Thema einsteigen, möchte ich Euch erst einmal erzählen, was PAN eigentlich ist. Die drei großen Buchstaben stehen für Phantastik Autoren Netzwerk e.V., gegründet am 15. November 2015 von Diana Menschig. Im April 2016 fand das erste PAN Branchentreffen in Köln statt.


So, jetzt wisst Ihr Bescheid und ich kann Euch auf meine kleine Reise durch das zweite Branchentreffen mitnehmen. Diesmal fand das Treffen in Berlin statt und ich konnte mich gemeinsam mit Ingrid Pointecker vom Verlag ohneohren bei unserem gemeinsamen Autor Fabian Dombrowski einnisten.

Das Treffen war im Großen und Ganzen sehr spannend, lustig und aufschlussreich. Endlich hatte man auch mal die Möglichkeit mit Autorinnen und Autoren, Verlegerkollegen und Freunden zu sprechen, ohne den Messestress außen herum. Tatsächlich habe ich zum ersten Mal mit Fabienne Siegmund mehr als 2 Minuten geredet! Vor allem aber konnte ich einen großen Überblick über die Phantastik in Deutschland gewinnen und daraus auch Ideen und Möglichkeiten für meinen eigenen Verlag ziehen.

Wie lief das Ganze ab?



1. Tag – Workshops
Die verschiedene Workshop Angebote waren vielseitig, manche waren mehr manche weniger nützlich. Ich hab zB. in einer Gruppe zum Thema "Die Stadt der Zukunft" ein spannendes Dystopie/Utopie-Thema ausgearbeitet. Weiterhin gab es Schwerzkampf-Workshops mit Textehexe Susanne Pavlovic und zum Schluss noch einen umfangreichen Vortrag von Audible zum Thema schreiben von Hörbüchern und Hörspielen.

Ratet mal, wer nach dem 1. Tag mehr Fußschmerzen hatte ^^

2. + 3. Tag – Vorträge & Diskussionen
Während der 1. Tag einen guten Einstieg bot ging es in den darauf folgenden Tagen richtig ans Eingemachte. Die Vorträge und Diskussionsrunden waren auf dem neusten Stand, beleuchteten die Phantastik von innen und außen, stellten Thesen auf, regten zum nachdenken an. 
Meine absoluten Highlights unter den Vorträgen waren zum einen Dr. Christine Lötscher von der Gesellschaft für Fantastikforschung (ist das nicht geil!!! Es gibt eine Gesellschaft für Fantastikforschung!!!) mit dem Thema "Grüne Sonne, Verstörung, Leseglück - Wie Phantastik uns helfen kann, die Welt zu verstehen". Zum anderen der Vortrag von Eva Leipprand, Bundesvorsitzende des Verbandesdeutscher Schriftsteller VS mit dem Thema "Kulturgut Buch: Warum hat Politik den Auftrag, Kultur zu unterstützten und wie wählt sie aus?"

Wirklich spannend waren die Diskussionsrunden, an denen Autoren, Verlage, Branchenkenner und Publikum miteinander sprachen und manchmal auch aneinander geraten sind.
"eBook & der digitale Markt", "Gamification des Alltags" oder "Phantastische Filme in Deutschland" gaben viel Rede- und Nachdenkstoff.

Zwischendurch gab es auch leckeres Essen!

Auch ich durfte Speaker bei einer Diskussionsrunde sein. "Pseudonyme – Lesererwartung & Marketing" klingt im ersten Moment zwar etwas matt, dahinter verstecken sich aber viele Klischees und Vorurteile. Unter der Moderation von Christian Handel diskutierten Autoren Alana Falk (schreibt unter verschiedenen Pseudonymen in verschiedenen Genres), Tom Hillenbrand (schreibt unter seinem Namen in verschiedenen Genres) und Beatrice Lampe – Lektorin aus dem Blanvalet Verlag – gemeinsam mit mir das Für und Wieder verschiedener Arten von Pseudonymen durch und welche Erwartungen damit beim Leser geweckt werden.

Die Diskussionsrunden waren spannend, jeder konnte seine Meinung äußern. Junge Autoren konnten auf Augenhöhe mit Genre-Größen wie Kai Meyer reden. Besonders bei dem Thema „Phantastische Filme in Deutschland“ wurde heftig zwischen Podium und Publikum diskutiert.

Diana Menschig verabschiedet alle und
kündigt schon das nächste PAN Treffen an

Was hab ich für mich mitgenommen?


3 Tage lang wurde ich mit Infos zugeballert und das ist positiv gemeint! Viele Meinungen, Optionen und Themen prallten aufeinander. Auch nach den Vorträgen hat man sich mit Autoren, Verlagen und anderen Buchleuten über die verschiedensten Themen unterhalten. Um Euch nahe zu bringen, was mich am meisten beschäftigt, muss ich etwas ausholen.

Phantastik ist im Feuilleton (also dem Kultur- oder Literaturteil der Zeitungen) nicht vertreten!
Das ist falsch, sie ist vertreten, diverse phantastische Werke die gerade auf den Bestsellerlisten rumschwirren werden besprochen.

Phantastik wird als trivial und langweilig bezeichnet.
Versetzten wir uns in die Position einer Person, die außerhalb der Phantastik-Blase lebt und mit der Szene nichts am Hut hat. Diese Person kennt die Phantastik wiederum nur über das, was im Feuilleton steht und da liegt – meiner Meinung nach – das Problem! Die phantastischen Titel auf den Bestsellerlisten sind keinesfalls repräsentativ für die deutschsprachige Phantastik-Szene.

Kein Wunder also, dass Phantastik im Allgemeinen als trivial und langweilig wahrgenommen wird. Denn die Titel, die den Leuten außerhalb der Szene vorgesetzt werden SIND TATSÄCHLICH trivial und langweilig (natürlich nicht alle, aber ziemlich viele davon).
Natürlich will ich kein Problem in den Raum stellen ohne nicht auch noch einen Lösungsansatz hinterher zu werfen. Meiner Meinung nach muss die Phantastik kritischer werden! Kritischer gegenüber sozialen und/oder politischen Themen.
Und jetzt denkt Ihr Euch vielleicht „Naaaa, sozialkritisches Zeugs kann doch nicht unterhalten!“, auch das ist falsch! Tastsächlich scheinen viele Leute zu glauben, dass Kritische Thematiken und Unterhaltung zwei verschiedene Paar Schuhe sind, die man nicht kombinierten kann. Aber Bücher wie „Die Tribute von Panem“ (oder die härtere Variante aus Japan „Battle Royale“) zeigen das sehr gut auf.

Das soll nun natürlich nicht heißen, dass es ab jetzt keine Liebesromane oder Romantasy mehr geben darf. Natürlich dürfen die da bleiben. Aber wir müssen mehr Vielfalt auf dem Markt der Phantastik schaffen. Mehr Bücher über die man auch kontrovers diskutieren kann (ohne dass es dabei darum geht, dass Mädels von ihren „Freunden“ verkloppt werden – das ist zwar auch eine kontroverse Diskussion, aber die sollte an einem anderen Punkt geführt werden).

Um diese Vielfalt zu schaffen, brauchen wir zum einen Autoren, die sich zutrauen, sozialktitische Stoffe mit der Phantastik zu verknüpfen und zu schreiben. Und zum anderen brauchen wir Verlage, die den Arsch in der Hose haben, so etwas dann zu veröffentlichen!

Einen guten Schritt in diese Richtung hat zB der Verlag ohneohren schon gemacht. In ihrer Anthologie „Verschlusssache“ – herausgegeben von Fabian Dombrowski und Ingrid Pointecker – werden verschiedene Urbane Legendens und Verschwörungstheorien mit phantastischen Elementen gemixt. Die Alternativen Fakten werden dadurch jedoch keinesfalls getrübt.

Auch im Art Skript Phantastik Verlag soll es in Zukunft die eine oder andere Anthologie geben, die dazu aufruft, auch kritischere Kurzgeschichten einzusenden.

Was denkt Ihr?

Das war mein Senf dazu.
Wie seht Ihr das? Brauch die deutschsprachige Phantastik mehr Vielfalt und werden wir dann vielleicht auch mal in der breiten Öffentlichkeit ernster genommen?
Liegt das Problem vielleicht an einer ganz anderen Stelle, die ich bisher nicht bedacht habe?

Sagt mir Eure Meinung!

Danke

Grit